Dienstag, 10. Dezember 2019

Tag 43: Wird langsam wieder... An allen Fronten. (Und: 1.000km)

Donnerstag, 05.12.2019
43. Wandertag
La Font de la Figuera nach Nähe Banyeres de Mariola (Landstraßenhotel außerhalb)
7h (inkl. Pausen) / 25km
570m rauf / 469m runter

Was soll den DIE Scheiße!? Gestern Abend, die ganze Nacht und heute früh hat es nicht mehr geregnet. Die Straße war schon fast wieder trocken. Und was sehe ich, als ich um kurz vor 1000 Uhr aus dem Haus trete? Der Regen beginnt wieder. Ich bin empört!

Aber die Empörung hält nicht lange, hilft ja nix. Regenjacke an, Rucksacküberzug drauf, Regenschirm aufspannen. Runter ins Dorf, vielleicht hat die Panaderia noch das eine oder andere tröstende Teilchen für mich auf Lager. Hat sie, und kurz hinter den letzten Häusern von La Font de la Figuera hört der Regen auch schon wieder auf. Die Teilchen habe ich natürlich trotzdem auf der Habenseite. Guter Deal.


Eigentlich war der kurze Schauer auch nur eine Warnung für den Wanderer: Denk dran, es ist naß. Die Wege durch die Weinberge sind die reinste Schlammschlacht, alles aufgeweicht, matschig, schmierig und lehmig. Ich schlittere von links nach rechts über die Pisten, versuche immer wieder vergebens, meine Schritte auf den am wenigsten rutschigen Untergrund zu setzen, aber irgendwie bringt das alles nichts. Also egal, mitten durch durch die Brühe. Kurz bevor ich für 4km auf der Straße laufe, muß ich praktischerweise einen kleinen Bach überqueren, den ich gleich dazu nutzen kann, mir 2kg Lehm und Schlamm von den Stiefeln zu putzen.


Auf der Straße wird plötzlich alles besser. Von links kommt die Sonne raus und liefert sich für die nächste Stunde einen Kampf mit den Regenwolken. Es geht vorerst Unentschieden aus, die Wolken gewinnen zwar die Oberhand, es regnet dabei aber nicht mehr als 4 Tropfen.


Durch das Dorf mit dem schrägen Namen (Moment, ich muß das nochmal nachschlagen...) "Fontanars Dels Alforins" rutsche ich einfach so durch. Supermarkt und Panaderia brauche ich nicht, der Rucksack ist sowieso voll und ich habe noch keine Pause gemacht. Das hole ich zügig nach, als ich beim Anstieg hoch zum Lloma de la Pinatada an einer Picknick-Area vorbeikomme, genau dort, wo ich von der Straße in den Wald abbiegen müsste. Wie gerufen! Ich wechsele schnell ein paar Klamotten, weil es sich in den nassen Shirts so ungemütlich sitzt, aber dann ist es eigentlich recht angenehm. 8 Grad, windstill, kein Regen. Im Vergleich zu gestern: Herrlich!

Oben auf dem Berg ist es allerdings lausig kalt, mein Atem dampft in der feuchtkalten Luft. Während ich mich immer weiter am Hang hinaufschraube, verschwindet alles unter mir in den Wolken und ist ab sofort wie in Watte gepackt. Ich bin glücklich - vor allem, weil ich endlich wieder auf schmalen Pfaden in den Bergen unterwegs sein kann, statt auf asphaltierten Straßen und schlammigen Feldwegen.


Hinter dem Sattel taucht der Weg in eine waldige Schucht ein, deren tiefgrüne Hänge wie Mauern wirken und die Täler im Norden und Süden abschirmen. Hier ist außer mir keine Sau unterwegs, ich sehe keine einzige Fuß- oder Mountainbikespur auf den Wegen. Und das Schönste: Ab jetzt geht es für den Rest des Tages nur noch bergab.

Im Wald versteckt: Das Refugio de Castelló.
Naß, kalt, aber zufrieden.
Eine Stunde weiter am Refugio de Castelló knacke ich dann meine 1.000km für diese Tour, das Bild oben zeigt einen zufriedenen, aber leicht fröstelnden Wanderer. Das Refugio ist clevererweise abgeschlossen und schwer vergittert, also setze ich mich nebenan auf den Betonrand der Zisterne und feiere eine ausgiebige Pause. Das Beste daran: Je länger ich sitze, umso mehr erobert die Sonne den Himmel zurück. Die Wolken werden immer weniger, der Himmel immer blauer - und der Abstieg durch das langgestreckte schmale Tal gerät wieder zum späterherbstlichen Spaziergang.


Einmal aus der Schlucht draußen, sind es nur noch zwei Kilometer bis zu meinem Landstraßenhotel. Wenn ich mich umdrehe, kann ich hinter mir am Horizont immer noch den Kampf zwischen Sonne und Wolken beobachten, aber ganz egal, wie das heute ausgeht: Ich bin gleich am Ziel. Die Venta El Borrego liegt irgendwo an der Landstraße zwischen A und B. Der Parkplatz ist riesig und reichlich unromantisch, aber der Laden liegt ausgesprochen praktisch. Ich hätte auch noch 4 oder 5km weiterlaufen können bis ins nächste Dorf Banyeres de Mariola, dann wäre der heutige Tag aber zu lang und die morgige Etappe zu kurz gewesen. Also isses dieVenta.


Im Laufe des Abends scheint sich unter der Belegschaft rumgesprochen zu haben, von wo nach wo ich unterwegs bin: Beim Abendessen fragt mich plötzlich einer der Kellner (mit dem ich vorher noch gar nicht gesprochen hatte...) nach Details meiner Route für morgen. Und danach, welches GPS ich benutze. Ich gehe bereitwillig Auskunft, innerlich superstolz bei dem Gedanken, daß es nur noch vier Tagesetappen sind.
Die Venta El Borrego. Ein Landstraßenhotel, wie es im Buche steht.

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