Donnerstag, 12. Dezember 2019

Tag 45: Zu Besuch in der Großstadt.

Castalla: Burg und Altstadt.
Samstag, 07.12.2019
45. Wandertag
Castalla nach Elda
7h (inkl. Pausen) / 24km
495m rauf / 734m runter

Der Rucksack ist verdammt schwer heute früh... Der Einkauf von gestern Abend lastet immer noch schwer auf meinen Schultern. Vor allem, weil ich unter anderem schon das Dinner für morgen Abend mit mir herumschleppe - wenn ich schonmal die Chance habe, nach fast 2 Monaten wieder selbst zu kochen (und das habe ich morgen Abend, weil ich mir in Pinoso ein Apartment statt eines Zimmers geschossen habe), dann will ich das auch nutzen. 

Trotzdem mache ich mich erstmal auf die inzwischen zur Routine gewordene Suche nach einer Panaderia; die Pasteleria Mercedes betrete ich natürlich gerne (allein schon wegen ihres Namens) und verlasse sie gleich darauf wieder mit einem noch etwas schwereren Rucksack. Beim Qurchqueren von Castalla streife ich noch über den Wochenmarkt und durch die Einkaufsstraße und genieße das samstägliche Gewusel. Die kommunale Weihnachtsbeleuchtung hängt schon seit Wochen, auf dem nächsten Platz steht eine Holzhütte mit Krippe und lebensgroßen Plastiktieren auf Stroh vom Bauern. Ich laufe in kurzen Hosen daran vorbei.

Blick zurück auf Castalla mit seinem Burgberg.
Noch auf dem ersten Aufstieg gleich hinter Castalla lege ich auf halber Höhe eine Frühstückspause ein und nehme dabei die Parade der Jogger, Hundeausführer, Mountainbiker und Spaziergänger ab, die sich hier auf dem Hausberg von Castalla herumtreiben. Weiter oben am Paß treffe ich als Höhepunkt noch eine Gruppe Kinder, alle so um die 6 bis 7 Jahre alt, alle brav in Warnwesten gekleidet. Sie wuseln um eine Ruine herum und sind im Wald links und rechts des Weges unterwegs, die Betreuer sitzen entspannt in der Sonne und ich glaube ihnen sofort, daß sie alles im Griff haben.

Der Weg ist heute super gnädig mit mir. Nach den ersten 300m Aufstieg ist die Arbeit des Tages eigentlich schon fast getan. Ein paar Kilometer geht es noch auf gleichen Höhe weiter, dann kippt die Forstpiste runter ins nächste Tal und ab dann geht's eigentlich nur noch bergab. Umso zufriedener versenke ich die Hände in den Hosentaschen, als ich die paar Kilometer auf der Hochebene entlangwandere, Musik in den Ohren, Nase in der Sonne.





Beim Abstieg muß ich mehrmals stehenbleiben und die Aussicht ins Tal bewundern. Die Bergketten in der Ferne überlagen sich immer weiter in dunkler werdenden Schattierungen aus blau und grau, irgendwo da hinten muß Cieza liegen. Irgendwo da hinten war ich letztes Jahr schon mal. Irgendwo da hinten werde ich fertig sein.

Eine gute Stunde vor Elda komme ich in meinem Tal an riesigen Sanddünen vorbei, die träge an den Hängen in der Sonne braten. Diverse Schilder, Absperrungen und Zäune zeugen davon, daß das kein Standard ist und tatsächlich komme ich um die Ecke und stehe vor einer kleinen Informationshütte, die mit einem kreuzgelangweilten jungen Herren besetzt ist. Er guckt sich am Wegesrand 100m weiter gerade ein paar Pflanzen an und schaltet ertappt in den Geschäftigkeitsmodus, als er mich sieht, aber ich will nur ein bißchen gucken und dann weitergehen. Er hat seinen weißen Suzuki dooferweise genau im besten Fotowinkel geparkt, aber das ist wahrscheinlich nur seine Rache dafür, daß ich gar kein Interesse an weiterführenden Informationen habe, die ich dank katastrophaler Spanisch-Kenntnisse sowieso nicht verdauen könnte.


Kurz bevor Elda wirklich beginnt, muß ich noch flott unter der nächsten Autobahn durch. Dafür stehen heute gleich drei Tunnel zur Auswahl, die für mich allerdings eher nach Fluttunnel als Fußgängerunterführung wirken. Ich wähle die Mittlere der drei Röhren und stehe auf der anderen Seite wieder mal in einem seltsamen Niemandsland zwischen Autobahn, Flutkanal, Straßenbrücke und verfallenen Gartenhäusern. Zwischen Fluß und Nationalstraße finde ich einen kleinen Pfad durch den sumpfigen Grund, der mich kurz darauf am Rand eines ausbetonierten Kanals ausspuckt, der wahrscheinlich die Überschwemmungen im Frühjahr bändigen soll. Was zunächst noch total häßlich aussieht, wird immer schöner, je weiter ich entlang dieses Kanals in Richtung Innenstadt wandere. Die eine Seite des Kanals ist mit Palmen, die andere Seite mit Mandelbäumen bepflanzt, ich wechsele je nach Sonnenstand zwischen den beiden Seiten hin und her - und als ich mich entlang dieses Beton-Kanal-Parks bis unterhalb der Altstadt gemogelt habe (ohne dabei auch nur das kleinste Industriegebiet durchqueren zu müssen!), bin ich schon wieder total versöhnt mit Elda und freue mich über die tiefstehende Nachmittagssonne, die Palmen und eine weitere geschaffte Etappe.

Tor 1, Tor 2 oder Tor 3?
 

Elda fühlt sich gleich nach dem letzten Foto oben an wie eine Großstadt: Wohnblocks, hohe Häuser, Ampeln überall und ein schier überquellendes Angebt an Geschäften. Ich bin es einfach nicht mehr gewohnt. Mein Hostal für heute Abend ist untenrum super professionell; überall spiegelglatte Steinoberflächen, eine snazzy Glasschiebetür, mit einer Rezeptionistin, die mich so souverän eincheckt und dabei zwischen den Sprachen hin- und herwechselt, als hätte sie in einem 5-Sterne-Haus gelernt. Obenrum (also die Treppe hoch) ist das Hostal dann allerdings ganz klassischer spanischer Standard mit wahnsinnig schmalen Gängen, winzigen Zimmern, dem Waschbecken neben dem Bett und sage und schreibe 9 verschiedenen Gebots- und Verbotsschildern, die allesamt von innen an die Zimmertür geklebt sind.

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